Diese Frage wird so oft gestellt, dass Google sie in vier Varianten vorschlägt, sobald man anfängt zu tippen. Und sie wird so selten beantwortet, dass die meisten mit einem Gefühl zurückbleiben statt mit einer Auskunft.
Dabei gibt es eine Antwort, die man nicht glauben muss, sondern nachsehen kann. Sie steht auf deinem Fläschchen.
Die Antwort steht auf dem Etikett
In der Europäischen Union muss jedes Produkt einer Kategorie zugeordnet sein, und für ätherische Öle gibt es im Wesentlichen zwei: kosmetisches Mittel oder Lebensmittelaroma. Diese Einstufung ist keine Marketingentscheidung, sondern eine Registrierung, und sie steht in der Produktkennzeichnung.
Für doTERRA sieht das in Europa so aus:
Als Lebensmittelaroma registriert (21 Einzelöle): Basilikum, Schwarzer Pfeffer, Kardamom, Cassia, Koriandergrün, Zimtrinde, Nelke, Koriander, Süßer Fenchel, Ingwer, Grapefruit, Wacholderbeere, Zitrone, Zitronengras, Limette, Oregano, Pfefferminze, Rosmarin, Grüne Minze, Mandarine, Thymian.
Als kosmetisches Mittel registriert (27 Einzelöle): Lebensbaum, Bergamotte, Blauer Rainfarn, Zedernholz, Muskatellersalbei, Copaiba, Zypresse, Eukalyptus, Weihrauch, Geranie, Strohblume, Lavendel, Teebaum, Melisse, Myrrhe, Patchouli, Petitgrain, Römische Kamille, Sandelholz, Hawaiianisches Sandelholz, Sibirische Tanne, Narde, Vetiver, Wilde Orange, Wintergrün, Ylang Ylang.
Du siehst daran sofort etwas Praktisches: Es sind fast durchweg die Küchenkräuter und Zitrusfrüchte, die im Lebensmittelrahmen stehen — Dinge, die ohnehin seit jeher im Essen landen. Und es sind die Harze, Hölzer und Blüten, die als Kosmetikum geführt werden. Lavendel, Teebaum und Weihrauch gehören ausdrücklich in diese zweite Gruppe. Sie sind nicht für die Einnahme vorgesehen, und das ist keine Vorsichtsmaßnahme von mir, sondern ihre Registrierung.
Was „Lebensmittelaroma" heißt — und was nicht
Hier wird es wichtig, denn die Einstufung wird gern überdehnt.
Aroma heißt: Es darf in Lebensmitteln verwendet werden. In den Mengen, in denen Aromen eben verwendet werden — also sehr wenig. Ein Aroma ist ein Geschmacksstoff, keine Tagesportion.
Aroma heißt nicht: Nimm davon täglich Tropfen. Die Registrierung sagt nichts über eine sinnvolle Menge für einen bestimmten Menschen, nichts über Dauer, nichts über Wechselwirkungen mit Medikamenten. Sie sagt nur, in welchem Rechtsrahmen das Produkt steht.
Und sie ist länderabhängig. doTERRAs amerikanisches Material geht an mehreren Stellen weiter, als die europäische Registrierung trägt — in den USA laufen manche dieser Öle als Nahrungsergänzung mit entsprechenden Anwendungshinweisen. Wer englischsprachige Anleitungen liest, sollte also wissen, dass er Hinweise für einen anderen Markt liest. Das sage ich nicht, um jemanden zu bevormunden, sondern weil es der häufigste Grund für Verwirrung ist.
Warum die Konzentration der eigentliche Punkt ist
Ein Satz, der mir im Kopf geblieben ist, seit ich ihn in der Ausbildung gehört habe: Für ein 15-ml-Fläschchen Pfefferminzöl braucht es etwa ein Kilogramm Pfefferminzblätter.
Das heißt: Ein Tropfen aus diesem Fläschchen entspricht grob dem Pfefferminzanteil von mehreren Tassen Tee auf einmal. Nicht gefährlich, aber eben auch nicht „nur ein Tropfen". Wer ätherische Öle wie Kräuter denkt, unterschätzt sie um zwei Größenordnungen.
Dazu kommt das Offensichtliche, das trotzdem oft schiefgeht: Öl und Wasser mischen sich nicht. Ein Tropfen in einem Glas Wasser schwimmt obenauf und kommt unverdünnt an der Schleimhaut an. Wer das überhaupt macht, nimmt ein Trägermedium, in dem sich Öl löst — in der Praxis heißt das: eine Kapsel, Honig oder ein fettes Öl, nicht Wasser.
Was tatsächlich untersucht ist
Und hier kommt die interessanteste Wendung, denn die beste Studienlage auf diesem ganzen Gebiet betrifft ausgerechnet geschluckte Zubereitungen — nur eben nicht die aus dem Fläschchen.
Pfefferminzöl bei Reizdarmbeschwerden ist über zehn randomisierte Studien untersucht, mit einem deutlichen Ergebnis gegenüber Placebo. Untersucht wurde dabei eine magensaftresistente Kapsel. Die Kapselhülle ist kein Beiwerk, sondern das Wirkprinzip: Sie soll das Öl am Magen vorbei in den Darm bringen. Ein Tropfen auf einen Löffel Honig tut das nicht.
Lavendelöl bei Unruhe und Angst ist über fünf doppelblinde, placebokontrollierte Studien mit zusammen 1.213 Teilnehmenden untersucht. Auch das eine geschluckte, standardisierte Arzneimittelkapsel mit 80 mg. Eine der Meta-Analysen schreibt ausdrücklich, die Ergebnisse ließen sich nicht auf andere Lavendelprodukte übertragen.
Beides sind also Arzneiformen in geprüfter Dosierung. Dass sie wirken, ist ein gutes Argument dafür, dass in diesen Pflanzen etwas steckt. Es ist kein Argument dafür, dass ein Tropfen aus dem Haushaltsfläschchen dasselbe tut. Diese Fuge ist die wichtigste auf dem ganzen Feld, und an ihr brechen die meisten Behauptungen, die man im Internet liest.
Übrigens auch in die andere Richtung: Für Pfefferminz gegen Übelkeit nach Operationen findet die beste verfügbare Übersicht, ein Cochrane-Review von 2018, keinen Effekt. Das gehört genauso dazu.
Die Öle, bei denen ich besonders genau bin
Ein paar Öle verdienen eine eigene Erwähnung, weil sie sich von den anderen unterscheiden:
- Wintergrün besteht fast vollständig aus Methylsalicylat, einem nahen Verwandten des Wirkstoffs in Schmerztabletten. Es ist in der EU als Kosmetikum registriert, und dabei sollte man es belassen. Deep Blue enthält es — ein guter Grund, diese Mischung ausschließlich äußerlich zu verwenden.
- Eukalyptus und Kampfer sind bei kleinen Kindern ein eigenes Thema, auch über die Einnahmefrage hinaus.
- Oregano und Thymian stehen zwar im Lebensmittelrahmen, sind aber sehr scharfe Öle. Unverdünnt auf einer Schleimhaut sind sie unangenehm bis schmerzhaft.
- Zitrusöle sind kaltgepresst und oxidieren mit der Zeit. Ein altes Zitrusöl ist etwas anderes als ein frisches.
Wo ich aufhöre
Ich habe meine Ausbildung zur Aromatherapeutin an einer Schule für Naturheilkunde gemacht, und ich sage dir gern, was ich über Verdünnung, Qualität und Anwendung weiß. Was ich dir über eine Website nicht sage: welche Menge wovon für dich sinnvoll ist.
Das hat zwei Gründe, und keiner davon ist Ängstlichkeit. Erstens hängt es an Dingen, die ich nicht kenne: was du sonst nimmst, wie es dir geht, was gerade los ist. Zweitens gibt es Konstellationen, in denen das zu einer ärztlichen Frage wird und nicht zu meiner — bei bestehenden Erkrankungen, bei Medikamenten, in der Schwangerschaft und bei Kindern. Dann gehört das in ärztliche Hände oder in die Apotheke, und zwar nicht statt, sondern zusätzlich.
Wenn dich das Thema wirklich interessiert, ist ein Gespräch dafür besser als ein Artikel. Schreib mir, dann gehen wir das in Ruhe durch — und ich sage dir auch, wenn ich finde, dass du für dein Anliegen gar nichts einnehmen musst.
Kurz zusammengefasst
- In der EU ist jedes Öl als Kosmetikum oder als Lebensmittelaroma registriert, und es steht auf dem Etikett. Bei doTERRA: 27 gegen 21.
- Im Lebensmittelrahmen stehen vor allem Küchenkräuter und Zitrus: Zitrone, Pfefferminze, Oregano, Ingwer, Zimtrinde, Nelke und weitere.
- Als Kosmetikum registriert und damit nicht zur Einnahme vorgesehen: Lavendel, Teebaum, Weihrauch, Eukalyptus, Zedernholz und weitere.
- „Aroma" heißt im Lebensmittelrahmen zulässig, nicht „täglich tropfenweise".
- Öl und Wasser mischen sich nicht. Wer es tut, nimmt ein Trägermedium.
- Die gute Studienlage betrifft Arzneikapseln in geprüfter Dosierung, nicht das Fläschchen.
- Menge, Dauer und Wechselwirkungen sind kein Website-Thema. Dafür gibt es Gespräche — und bei Erkrankungen und Medikamenten die Ärztin.
