Lavendel ist für die meisten das erste ätherische Öl. Es ist günstig, überall erhältlich und riecht nach etwas, das man kennt. Genau deshalb landet es oft im Schrank, ohne dass jemand je nachgesehen hätte, wie man es eigentlich benutzt.
Dieser Text ist die Gebrauchsanweisung, die nicht dabeilag.
Erst einmal: welcher Lavendel?
Es gibt mehrere Pflanzen, die als Lavendel verkauft werden, und sie riechen unterschiedlich.
- Lavandula angustifolia — der echte Lavendel, auch Fein- oder Bergamotte-Lavendel. Weich, blumig, leicht süßlich. Das ist der, den man meint.
- Lavandula latifolia — Speiklavendel. Deutlich schärfer, kampferartig.
- Lavandin — eine Kreuzung aus beiden, ertragreicher und günstiger. Riecht kräftiger und etwas rauer.
Keiner davon ist schlecht. Aber wer Lavendel kauft und Lavandin bekommt, wundert sich, warum es anders riecht als erwartet. Auf dem Etikett steht der botanische Name — wenn nicht, ist das schon die erste Auskunft.
Im Diffusor
Die häufigste Anwendung und die unkomplizierteste.
- Drei bis fünf Tropfen auf eine normale Füllung Wasser. Mehr ist nicht besser; ab einem Punkt nimmt die Nase ohnehin nichts mehr zusätzlich wahr.
- Dreißig bis sechzig Minuten, dann aus. Dauerbetrieb bringt nichts und verbraucht nur Öl.
- Gut kombinierbar mit Zeder, Weihrauch oder Bergamotte. Zwei Öle reichen; bei dreien wird es selten besser.
Auf der Haut
Hier wird am meisten falsch gemacht. Lavendel gilt als besonders mild, und deshalb liest man oft, man könne ihn pur auftragen. Kann man — aber man sollte nicht. Hochkonzentrierte Öle unverdünnt und wiederholt auf dieselbe Stelle zu geben, ist der sicherste Weg, eine Empfindlichkeit zu entwickeln, die man vorher nicht hatte.
Verdünnt wird in einem Trägeröl — Jojoba, Mandel oder fraktioniertes Kokosöl:
| Konzentration | Auf 10 ml Trägeröl | Wofür |
|---|---|---|
| 1 % | 3 Tropfen | Gesicht, empfindliche Haut, Kinder ab Schulalter |
| 2 % | 6 Tropfen | der normale Bereich für Erwachsene |
| 3 % | 9 Tropfen | kleine Stellen, punktuell |
Ein Teelöffel sind etwa 5 ml, ein Esslöffel etwa 15 ml — damit kommt man ohne Messbecher aus.
Als Kissenspray
Mein Lieblingsweg, weil er nichts kostet und zwei Minuten dauert.
In eine kleine Sprühflasche: 50 ml Wasser, ein Teelöffel hochprozentiger Alkohol (Wodka reicht) und acht bis zehn Tropfen Lavendel. Der Alkohol ist kein Schnickschnack — ohne ihn schwimmt das Öl obenauf und verteilt sich nicht.
Vor Gebrauch schütteln, aufs Kissenende sprühen, nicht auf den Bezug direkt unters Gesicht. Hält etwa zwei Wochen.
Aufbewahrung
Lavendel ist robuster als Zitrusöle, aber nicht unverwüstlich.
- Dunkles Glas, fest verschlossen. Licht und Sauerstoff zersetzen die Inhaltsstoffe.
- Kühl und dunkel, nicht im Badezimmerschrank über der Heizung.
- Zwei bis drei Jahre nach dem Öffnen für die Anwendung auf der Haut, im Diffusor länger.
- Im Zweifel riechen. Riecht es flach oder stechend statt blumig, gehört es nicht mehr auf die Haut.
Woran man gute Qualität erkennt
Für ätherische Öle gibt es keine geschützte Qualitätsbezeichnung. „Naturrein" darf fast jeder draufschreiben. Was tatsächlich etwas aussagt:
- Der botanische Name auf dem Etikett
- Das Anbauland — Lavendel aus Bulgarien und aus Frankreich riecht messbar verschieden
- Chargenbezogene Analysen, nicht ein Siegel für die Marke, sondern ein Laborbericht für genau dieses Fläschchen
- Dunkles Glas
Wann du jemand anderen fragen solltest
In der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Säuglingen und Kleinkindern, bei bestehenden Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme: Das gehört in die Apotheke oder zur Ärztin, nicht in einen Blogartikel. Auch nicht in meinen.
